Nach reichlich Ausbildung und 6 Kletter-Gruppenstunden Auffrischung wagten tatsächlich 17 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene - kurz knapp ein Viertel der jdav Kletterjugend - mit 5 Betreuern trotz strömendem Regen am Sonntag, den 28. Juli 2019 in das Abenteuer "Klettern rund um den Blaueis-Gletscher!"

1. Tag: Sonntag

Mit vier Autos karren wir die Jugend durch reichlich Urlaubs- und leider auch Unfallstau nach Hintersee bei Ramsau in den Berchtesgadener Alpen, wo unser Ausgangspunkt für den ca. 1,5 bis 3,5 stündigen Aufstieg (je nach Kondition) liegt. Nachdem uns der Regen voll erwischt hat, sind wir um den genialen Trockenraum mit bereitgestellten hauseigenen Hausschuhen(!) der Blaueis-Hütte froh und selbst über die Challange in 30 Sekunden zu duschen (mit Haare-waschen!!!) wird nicht gemeckert, allenfalls über die beste Methode diskutiert. Auch im Lager in der kleinen Nebenhütte findet schnell jeder und jede ein passendes Plätzchen. Viel wichtiger ist nach dem steilen Anstieg und den Stufen im letzten Stück, was es zum Abendessen gibt: Pilzsuppe - Spaghetti Bolognese oder Reis mit Gemüse-Curry - großes Salatbuffet - Schokopudding stopfen den hungrigen Wölfen die Mäuler und bald kehrt satte Zufriedenheit ein. Die ersten packen die Schafkopfkarten aus. Das Einführen der Neulinge in diese Kunst wird auch in den nächsten Tagen einen Großteil der Freizeit einnehmen. 

2. Tag: Montag

Nachdem die erste Nacht ganz ruhig verlief (keine Schnarcher, man glaubt es kaum!) und es nach dem Frühstück weiter regnet und draußen kalt ist, bleiben wir bis ca. 13:00 Uhr in der Hütte und beschäftigen uns mit Topo-lesen und einer kleinen Auffrischung in Erster Hilfe. Nachmittags erbarmt sich der Himmel unser und wir gehen endlich an den Fels. Zunächst üben wir mit den Fels-Neulingen nochmal Standplatzbau und Umfädeln am Wandfuß des Steinbergs, während die alten Hasen schon 1-2 Seillängen auf den noch feuchten Platten versuchen.

Für einige ist es der erste echte Felskontakt. Abends sind alle begeistert und freuen sich hoffnungsvoll auf den nächsten Tag, an dem das Wetter besser sein soll... Nach dem - wie übrigens immer - sehr guten und reichlichen Abendessen steigen die meisten wieder mehr oder weniger tief ins Schafkopfen ein, so dass bis zur Hüttenruhe um 22:00 Uhr einige Regeln dazu heiß diskutiert werden.

3. Tag: Dienstag

Wie vom Wetterdienst versprochen kommt heute kein Nass von oben und auch der Fels konnte gut abtrocken. Wir steigen mit 22 Leuten um 10:00 Uhr nach und nach mit mehrerern Seilschaften in den Plattenweg ein und haben um 16:00 uhr alle wieder über die Abseilpiste unten.

Die frische Luft, das Klettern und die Sonne fordern ihren Tribut: alle sind - wie der Name schon sagt - platt. Jetzt gibt es einen Run auf die Duschen. Aber mit max. 1 Minute Duschzeit sind alle schnell durch. Und danach aufs Abendessen. Heute. Zwiebelsuppe - Schnitzel mit Kartoffelsalat oder Brokkoliauflauf - großes Salatbuffet und Milchreis. Ja, da bleibt keiner und keine hungrig! Alle fallen todmüde ins Bett.

4. Tag: Mittwoch

Wie vorausgesagt, ist die Wetterlage heute nicht stabil. Nach unserem reichhaltigen und vielseitigen Frühstück macht sich ein Teil der Gruppe um 9:00 Uhr auf den Weg zum Blaueis-Gletscher, denn an Klettern ist bei diesem Nebel nicht zu denken.

Derweil vertiefen die anderen ihre Fähigkeiten im - nah? - klar Schafkopfen!

Vorbei an den Ruinen der alten Blaueishütte, die von einer Lawine im Winter 1953 getroffen und völlig zerstört wurde, geht es hoch zur untersten Zunge des Gletschers, wo sich die Jugend mit einem steinernen jdav KRU im Eis verewigt. Wir kraxeln noch ein bisschen auf den großen Blöcken am Rand des Eisfeldes herum und lesen mit leichter Gänsehaut die Inschriften der Gedenktafeln für die hier verunglückten Bergsteiger. Auf dem Rückweg versperrt uns kurz der Nebel den Zugang zum Weg, doch gleich reißt es wieder auf und wir steigen ab.

Martin und Michael Holm scouten noch den Einstieg in die Schärtenwand-Verschneidung, die für morgen geplant ist. Da die Nacht etwas unruhig war (jetzt doch Schnarcher und Roman-Erzähler im Schlaf), legen sich nachmittags einige noch aufs Ohr, während in der Haupthütte "die Wehrwölfe erwachen und das Dorf schläft...", ein Spiel bei dem bald die ganze Gruppe mitmacht. Danach schulen wir Schleifknoten auf HMS und Tuber, sowie nochmal Umfädeln am Kachelofen in der Hütte.

Donnerstag ist als bester und stabilster Tag der Woche angekündigt und so bereitet sich die Gruppe auf einen Klettertag in der Wand vor: Wer will welche Route machen? - Topo lesen! - Wer traut sich den Vorstieg zu? - Wer klettert mit wem?

Zum Abendessen stehen die Seilschaften, das Material ist hergerichtet und die aufsteigende Aufregung wird mit Mäxle, Schafkopf und Wehrwolf bekämpft.

5. Tag: Donnerstag

Bombenwetter! Gleich nach dem Frühstück machen sich die Seilschaften um 8:30 Uhr auf zum Wandfuß. Dorothea wurde über Nacht von einer satten Erkältung ausgenockt und kann heute leider nur Hüttendienst machen.

In "Auf die Schnelle" steigen Steffi mit Katrina und Pia, Lukas mit Hannah und Paul und Chrissi mit Leon und Tobias ein. Sie steigen sechs Seillängen durch und seilen dann auf Grund "dringender Bedürfnisse" einiger Teilnehmer*innen ab. gegen 14:00 uhr sind sie wieder an der Hütte und stolz wie Bolle! 

Die Geburtstagstorte haben sich Michael Huber und Flo vorgenommen. Flott sind die beiden unterwegs und kommen als erste Seilschaft zur Hütte zurück.

Martin mit Jonathan, Stefan mit Luka und Ramona und Michael Holm mit Emma und Paula wagen sich in die Schärtenwand-Verschneidung. Alle durchsteigen die Route souverän, während Martin am Ausstieg wartet, um ihnen den Weg zu weisen. Gegen 16:00 Uhr sind dann alle, trotz einiger Stürze auf dem "Normalweg" gesund, munter und sehr stolz aus der Wand zurück.

Duschen, Abendessen, nochmal den Tag Revue passieren lassen und dann 21:30 Uhr ins Bett!

6. Tag: Freitag

Entgegen der Prognose ist es vormittags relativ schön, auch wenn es nachts heftig geregnet hat und nun der Fels leider nass ist. Unsere Felsneulinge wollen sich nun doch noch im Vorstieg erproben. Also machen sich nach dem Frühstück drei 2er Seilschaften in die "Auf die Schnelle" auf und kommen erfolgreich mit einem breiten Grinsen mittags in die Hütte zurück. Die alten Hasen ruft der Berg und die "HamHam" an der Schärtenspitze. Doch der Fels ist zu nass und so klettern sie einige Sportkletterrouten daneben. Der Rest der Gruppe gibt sich dem ausgiebigen Zocken und Spielen hin. Das nachmittags wieder in Schafkopf und Wehrwolf Runden übergeht.

Vor dem Abendessen steht noch Packen an. Morgen geht es wieder hinunter ins Tal.

7. Tag: Samstag

Da wieder einmal Regen angesagt ist, wollen wir flott nach dem Frühstück los. Noch schnell die Zahnbürste eingepackt. Wem gehört das T-Shirt und wo ist meine Regenhose? - Alles beieinader? - Dann alles raus aus der Hütte und noch beim Hüttenwirt und seiner Frau auf Wiedersehn sagen und Dankeschön für die super Verpflegung!

Da passiert es Martin vertritt sich beim aus der Hütte gehen den rechten Fuß auf einem losen Stein. Heli oder geht es so?

Mit Kühlung, Kompression und Ibu geht es so und in etwa 3 Stunden haben dann auch alle den Parkplatz in Hintersee bei ausnehmend schönem Wetter erreicht. Noch ein Schokoriegel für alle! Rucksäcke in die Autos verstauen, reinsitzen und schon beginnt es zu Regnen. Auf der Heimfahrt haben wir immer wieder Stop and Go, aber keinen echten Stau. So kommen wir schon früher als geplant gegen 15:30 Uhr an.

Wieder in Krumbach wird das Material sortiert und Annika hat uns Pizza bestellt. So klingt das JugendKletterCamp 2019 im Seminarraum bei Pizza und Kaltgetränken aus.

 

Schön war`s! Alle würden wieder mitfahren! - Sogar die Leiter!

Es war eine tolle Woche mit einer tollen Jugend (sagen sogar die Wirtsleute der Blaueis-Hütte!)!

... und wo fahren wir nächstes Jahr hin? 

Mitte Oktober ist Jahresplanung - überlegt Euch was!

 

Und hier noch die mannigfaltige Bildergallerie...