Diese Tour kann ich nur jedem empfehlen, der die Alpenflora in einer wunderschönen Berglandschaft liebt. Andererseits sind die Wegeverhältnisse und die Distanzen nicht gerade einfach, weshalb Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und auch eine gehörige Portion Kondition erforderlich sind. Hinzu kam bei dieser Tour der lange, schneereiche Winter, der sicheres Gehen über mitunter steile Schneefelder notwendig machte. 

Am 15.07. ging es mit dem Camper von Diethard, in dem wir sechs Platz fanden, los und wir erreichten sicher das Edelweißhaus in Kaisers, wo wir gegen Gebühr parken konnten. Gleich am Start der Tour ergab sich eine Planänderung, da die Überschreitung des Falmedonjoches zur Frederic-Simms-Hütte wegen Murenabgangs nicht möglich war. Wir wählten deshalb den Weg über die Kaiseralpe hoch zum Kälberlahnzugjoch (2.585 m) und Abstieg zur Hütte auf 2.004 m, was nicht nur einen weiteren Weg sondern auch mehr Höhenmeter bedeutete. Dadurch erwischte uns noch ein heftiger Regenschauer. Auf rutschigem, nassen Untergrund, wo auch teilweise der Weg zur Hütte neu angelegt worden war, weil der alte vollkommen abgerutscht war, erreichten wir durchnässt und verdreckt die Hütte. Trotzdem waren wir glücklich über das Erlebte.

Gleich in der Frühe des 16.07. stiegen wir bei schönstem Bergwetter wieder den gleichen Weg hoch bis kurz vor dem Kälberlahnzugjoch um die Holzgauer Wetterspitze zu besteigen. Erstaunlicherweise war der obere steile Bereich bis zum Grat schon schneefrei und wir gelangten so zügig bis zum II-er klettertechnischen Bereich der Wetterspitze. Die dort angebrachte Seilversicherung der schwierigsten Kletterstelle nimmt der Stelle eigentlich die Schwierigkeit und so gelangten wir problemlos auf den 2.895 m hohen Gipfel. Eine ausgiebige Rast mit toller Fernsicht war der Lohn. Bei Kaffee und Kuchen wollten wir den Nachmittag auf der Hütte verbringen, als der Hüttenwirt mir bzw. uns mitteilte, dass Bergkameraden auf einem steilen Schneefeld in Schwierigkeiten seien und unsere Hilfe erbat. Das Problem war bald gelöst und so verbrachten wir einen gemütlichen Abend auf der Simmshütte.

Wegen eines umfangreichen Tagesprogramms für den 17.07. gingen wir früh los auf das Kälberjahnzugjoch und machten uns daran an den steilen Schutthängen  zum Stierlahnzugjoch zu queren. Eine schwierige, weil steile, mit Schnee gefüllte Rinne, bei der der Schnee teilweise eingebrochen war, ließ uns kurz nach einer gefahrlosen Überquerung suchen und dann auch finden, indem wir den losen Schnee, soweit es ging,  abbrachen und über das Geröll darunter und den Schnee darüber querten. Nachdem wir die steile, seilversicherte Rinne vom Stierlahnzugjoch hinab gemeistert hatten, ging es teils über großflächige Schneefelder hinauf zur Feuerspitze auf 2.852 m. Bei einer grandiosen Fernsicht in die tiefverschneiten 3000er bis zum Ortler, Watze, Wildspitze und nach Westen bis zur Schesaplana, nach Osten bis ins Karwendel und selbstverständlich in unsere Heimatberge blieben wir zu einer ausgiebigen Brotzeit. Der Weg zur Ansbacher Hütte, den wir ja voll umfänglich einsehen konnten, war noch weit und mit vielen Schneefeldern bedeckt, sodass wir uns bald von diesem Gipfelerlebnis trennen mussten. Schließlich erreichten wir um 16.00 Uhr die Ansbacher Hütte und genossen unser 6er Bettenlager und ein hervorragendes Abendessen.

Der vierte Tag, der 18.07. wartete mit einer ebenfalls langen Wegstrecke auf uns. Darum genossen wir als eine der ersten das hervorragende Frühstücksbuffett. Zwar war der Himmel zunächst etwas trübe, aber wir ließen es uns nicht nehmen den Hausberg der Hütte, die Samspitze mit 2.624 m in leichter Kletterei zu überschreiten. Vom Alperschonjoch ging es hinein in die steilen Südhänge der Vorderseespitze mit einigen, seilversicherten Kletterpassagen und am Vordersee mit einer kurzen Rast vorbei über Schneehänge hinauf zum Hinterseejöchl auf 2.482 m. Dort wechselt der Weg auf die Nordseite und so stiegen wir oberhalb des Hintersees über steile Schutthänge und Schneefelder hinüber zur Kridlonscharte (2.371 m), wo wir Mittag machten. Südseitig ging es dann wieder mit Blick auf den Hohen Riffler hinüber zum Kaiserjochhaus, unserer letzten Übernachtungsstation. Nach einem Kaffee und dem Bezug unseres Lagers waren wir des Steigens und Klettern nicht genug und erklommen zusammen noch den Grießkopf (2.581 m) und den Malatschkopf (2.388 m), nachdem der Himmel sich wieder erfreulich aufgeheitert hatte. Mit einer Runde "Uno" nach einem guten Abendessen beschlossen wir zufrieden den Wandertag und vereinbarten für den letzten Tag nicht den direkten Abstieg.

Ein schöner, letzter Tag, der 19.07. begann mit einem ausgiebigen Frühstück, wo wir wieder die Ersten waren. Das vereinbarte Ziel war der Stanskogel mit 2.757 m, den wir bereits um 10 Uhr erreichten und von dort ging es über den Hirschpleiskopf hinunter zur Leutkircher Hütte. Für Alpenblumenfreunde ein idealer Tag mit wunderschönen Blumenmatten, die kein Mensch schöner pflanzen könnte. Nach einer Kaffeepause an der Hütte war es dann aber Zeit die drei Stunden Abstieg bzw. Wiederaufstieg zum Edelweißhaus in Kaisers in Angriff zu nehmen, wo wir um 15.15 Uhr ankamen. 

Glücklich, aber auch erschöpft traten wir, Andrea Schuster, Anne Strobel, Gertrud Eckert, Diethard Weihrauch, Thomas Häußler und Werner Lieb als Führer die Heimreise an und versprachen uns gegenseitig, solch eine tolle Tour wieder zu unternehmen.