Liebe Bergkameradinnen, liebe Bergkameraden,

der Deutsche Alpenverein feierte 2019 sein 150-jähriges Bestehen. Der DAV hat in diesen 150 Jahren die verschiedensten Entwicklungen, schwierige und gute Zeiten miterlebt, teilweise selbst negativ und teilweise positiv beeinflusst.
In sportlicher Hinsicht hat das Sportklettern mit der Aufnahme in die olympischen Sportarten einen Höhepunkt erreicht. Bei den olympischen Spielen 2020 in Tokyo werden nach 84 Jahren wieder Sportkletterer auf der Siegerliste stehen.
Auch aus unserer Sektion tritt ein junger Sportler bei bayrischen und deutschen Sportkletterwettkämpfen an. Bei den bayrischen Jugendmeisterschaften 2019 der männlichen Jugend B wurde Max Dinger, ein Nachwuchstalent aus unserer Kletterjugend guter Vizemeister, wobei er im aus drei Teilen bestehenden Wettkampf im Bereich „Speed“ Erster war.
Mittlerweile nimmt der Bereich des Natur-, Umwelt- und Klimaschutzes in der Politik und der öffentlichen Wahrnehmung einen sehr hohen Stellenwert ein. Der Deutsche Alpenverein ist der größte, deutsche Naturschutzverein, der sich seit Jahrzehnten für den Erhalt unserer natürlichen Ressourcen, den Erhalt unserer Bergwelt und der Vermeidung von unnötigen Erschließungen in einer bereits erschlossenen Bergwelt einsetzt. Der Alpenverein steht dabei auf der Seite derer, die umweltgerecht und mit Bedacht die Bergwelt nutzen, wie zum Beispiel den Bergbauern, die seit Jahrhunderten die bestehende Vielfalt in den Bergen erhalten und pflegen. Der Alpenverein versucht auch immer wieder nur auf Kommerz ausgerichtete Erschließungen wie beim Riedberger Horn und am Grünten zu verhindern. Seine rechtlichen Möglichkeiten sind begrenzt, aber die Breitenwirkung durch seine mehr als eine Million Mitglieder ist groß.
Natürlich ist der Alpenverein auch selbst nicht immun gegen Kommerz und wirtschaftliche Entwicklung, was auch kritisch zu beobachten und zu begleiten ist.
Kritisch zu betrachten ist auch die rasante Entwicklung der elektrisch betriebenen Fahrräder und „Mountainbikes“. Damit erreicht ein viel größerer Personenkreis entlegene und höhere Berggebiete als früher. Der touristische Druck auf die Bergwege und deren Nutzung steigt. Es wird unumgänglich sein, wie es teilweise schon geschieht, Fahrverbote auf bestimmten Wegen anzuordnen. Dass davon auch bergsportbegeisterte, vernünftige E-Biker und Nicht-E-Biker betroffen sind, ist die negative Folge.
Wir betreiben unsere Sektion in vollem Umfange ehrenamtlich, sowohl die Verwaltung von über 1600 Mitgliedern, wie auch den Betrieb des Kletterturms und der Kletterhalle und alle unseren sonstigen Aktivitäten, wie die umfangreiche Jugendarbeit und die Bergfahrten. Ich möchte dabei betonen, dass das nicht selbstverständlich ist. Das Ehrenamt hat es nicht leicht, nicht nur in unserem Verein. Auch in vielen anderen Vereinen wollen immer weniger Mitglieder sich aktiv einbringen. Es ist eine traurige Entwicklung, weil oft nur noch gefragt wird: Was ist mein Vorteil, wie kann ich meine Bedürfnisse befriedigen? John F. Kennedy hat einmal den denkwürdigen Satz gesagt: „Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, frag lieber, was du für dein Land tun kannst.“ Es handelt sich also um ein Problem, das es schon immer gab.
Darum – auch wenn es von mir oft wiederholt wird – gilt mein Dank allen, die sich aktiv in den Verein - gleich an welcher Stelle - einbringen und für die Vereinsgemeinschaft arbeiten. Wir wollen einen aktiven Verein, der das Wissen, das Können seiner Mitglieder nutzt, um das Gemeinschaftsleben des Vereins zu fördern. Wir von der Vorstandschaft sind bemüht, dass sich jedes einzelne Mitglied mit „seinem“ Verein identifiziert.
Ich wünsche euch und euren Familien sowohl an künstlichen Kletteranlagen wie auch in unseren Bergen ein unfallfreies, glückliches Bergjahr 2020 und vor allem Gesundheit und Zufriedenheit.

Mit bergkameradschaftlichen Grüßen, 1. Vorsitzender Werner Lieb